| Interview mit Nadine Hamburger |
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Das Interview führte Nadine Hamburger mit Manfred Mäntele Nicht zu wissen, was der qualitative Inhalt meiner Ziele ist … Ich erzähle Ihnen ein kleines Beispiel dazu: Ich bin mit dem Motorrad weggefahren und habe gesagt „Oh, ich fahre jetzt einfach mal ein bisschen, ich fahre schön Kurven und ... ich möchte ans Meer, ich fahre in die Toskana.“ Ich war erst zwei Tage in den Dolomiten und habe das so sehr genossen – ich lag in den Kurven, ich war in den Bergen, ich hatte Motorradfahren pur! Dann bin ich durch die Po-Ebene gefahren, nur gerade, eintönige Straßen. Dort war ich plötzlich so unzufrieden, dass ich mich erst mal in ein Café gesetzt und mir gesagt habe: „Irgendetwas ist hier faul.“ Ich dachte: „Das ist so eine lange Fahrt, dazu habe ich keinen Bock! Wozu fahre ich denn überhaupt da runter, ans Meer, in die Toskana?“ Mir wurde bewusst, dass mir in dem Moment, wo ich nur „das Meer“ als Ziel hatte, ein qualitatives Ziel gefehlt hatte. Das heißt, ich wollte zwar an einen bestimmten Ort fahren, aber nicht die ganze Fahrt auf mich nehmen. Da kam mir das Bild, wie ich in Shorts mit meinem Walkman am Strand entlanglaufe, an den Wellen entlang, den Sand an den Füßen spüre ... Und mir wurde klar, was ich eigentlich haben wollte: dieses Gefühl von Beschwingtheit, von „im Sand laufen“, von Musikhören, von Meeresrauschen, von Abendsonne. Diese Emotionalität hat mir vorher beim Ziel gefehlt. Deswegen – ohne diesen emotionalen Hintergrund – war das Ziel plötzlich nicht mehr interessant für mich. Im Grunde meine Werte. Meine Werte, die ich im Beruf ausleben kann. Meine Freiheit zu tun, was aus mir heraus kommt. Mit all dem Wissen und all der Ausbildung, die ich habe, und mit all dem, was ich noch lernen werde. Im Moment sein und sagen: „Ich hab alles, was ich brauche, um authentisch arbeiten zu können.“ Und das dann auch tun. Gucken, wozu ich Lust habe, Verbindung haben zu mir und zu meinem Gegenüber. Das sind Dinge, die ich immer kann, wenn ich meine persönlichen Ziele nicht von anderen Leuten abhängig mache – sondern sie so setze, dass ich sie selber erreichen kann. Das heißt zum Beispiel für das Gespräch, das ich vorhin hatte (in dem Unternehmen hat sich alles mögliche verändert): Ich guck einfach, dass ich in Verbindung mit meinem Gesprächspartner bleibe, damit ich spüre, um was es wirklich geht. So stelle ich auch die richtigen Fragen und habe die richtigen Einfälle. Und da wäre ich wieder bei meinem Kernthema. Es geht darum, nicht auf das Problem zu achten und zu begründen oder zu verstehen, warum das so ist, sondern zu fragen: „Was für eine Lösungsmöglichkeit habe ich?“ und loszulassen von dem Glauben, dass man genau dieses Projekt braucht, um Leben zu können. Stattdessen sage ich: „Ich guck einfach mal, welches Projekt zu mir kommen kann, zu welchem Projekt ich kommen kann, wo es sich gut anfühlt, wo es fließt – und habe nebenbei noch mein System, wo ich neue Samen ausstreue, neue Kontakte angehe, oder eine neue Zielgruppe. Das parallel zu machen, ist sehr wichtig. In dem Moment tue ich etwas für mich. Ich habe Ziele, an deren Erfüllung nur ich beteiligt bin. Wenn ich mir beispielsweise das Ziel setze, bis Ende des Jahres noch mal fünf Direktoren oder Vorstände kontaktiert zu haben, kann mir dieses Ziel keiner nehmen. Was dabei herauskommt, ist etwas anderes. Aber da ist ein emotionaler Hintergrund, weil ich sage: „Ich habe die Freiheit zu entscheiden, wen ich anrufe. Ich habe die Freiheit zu schauen, wie der Gesprächspartner drauf ist, und ich übernehme die Verantwortung dafür, dass ich mit ihm in Verbindung stehe.“ Damit bin ich in dem Gefühl, am Strand spazieren zu gehen. Dann ist der Weg dahin nicht mehr schwierig, sondern erfüllt von der Energie des zukünftigen Ziels, der zukünftigen Qualität und des Wertes. Der Wert entsteht quasi schon auf dem Weg und nicht erst, wenn ich ankomme. Eine Betrachtung nach der Lösung, der Qualität, der eigenen Motive, Werte und Visionen. Die zu halten und sich immer wieder bewusst zu machen: „Um was geht es denn eigentlich bei dem, was ich mache?“ Weg vom bloßen Geldverdienen, hin zur Berufung. Denn wenn ich tue, was mir Spaß macht, was mir aus dem Herzen kommt, dann bin ich gut dabei. Und wenn ich gut bin, dann ist auch für mich gesorgt. Wenn ich tue, was mir aus dem Herzen kommt, dann mag ich zwar auf Hindernisse stoßen, aber ich habe auch die Möglichkeit zu sagen: „Das ist eine Situation, die ich so nicht haben möchte. Wie will ich sie stattdessen haben? Was kann ich dafür tun, um sie nach meinem Geschmack zu verändern?“ Manchmal kann ich auch einen Umweg fahren, weil der durch die Berge geht, dann kann ich Kurven fahren, und das subjektive Empfinden der Fahrzeit ist sogar wesentlich kürzer und dabei auch noch schöner als die gerade Strecke. Diese Wahl hab ich immer. Indem ich das tue, was sich am besten anfühlt, und dann den Verstand dazu nutze, um das umzusetzen. Dann erreiche ich meine Ziele und lebe meine Vision. Durch diese Einstellung bin ich offen, neugierig, aufmerksam, dankbar und demütig. In dem Moment „tue ich es einfach“, sehe einen „Fehler“ auch nicht mehr als Fehler, sondern als eine Erfahrung; jedes Ergebnis ist positiv, weil es immer eine Erkenntnis ist: Wenn man etwas verändern oder andere Ziele setzen möchte, ärgert man sich manchmal darüber, dass man wieder eine sogenannte alte Verhaltensweise, die nicht zielführend ist, angenommen hat. Man ärgert sich über das „Mensch, jetzt habe ich es schon wieder falsch gemacht!“ Man kann sich aber auch darüber freuen: „Oh, ich habe gemerkt, dass es eine alte Verhaltensweise war.“ Damit kann ich sie neutralisieren und fragen: Wie ist denn meine neue? Welche habe ich mir ausgedacht? Welche probiere ich aus? Und damit freut sich das System über das Lob, das ich ihm gebe, weil ich sage „Klasse, ich hab’s gemerkt“ statt „Mist, ich hab’s (wieder) gemacht.“ Wenn ich mir lediglich wünsche zu merken, was passiert, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder ich merke es nicht, das heißt, es bleibt unbewusst, und es gibt also auch keine Strafe oder Belobigung oder so etwas – oder ich merke es und habe ein 100-prozentig positives Feedback ans System! Wenn ich es merke, habe ich also nicht nur die Freude, sondern ich kann auch sagen: „Ah, das ist die Situation, wie ich sie anders haben möchte“, ich kann mir Perspektiven aufstellen, kann mir eine auswählen, ich gehe meinen Weg, um zu schauen, ob er mich da hinführt, ich kann stolz sein auf das, was ich erreiche – und ich kann die Verantwortung für die Resultate und die Konsequenzen tragen. Damit bin ich in dem kraftvollsten Leben, das ich mir vorstellen kann, weil ich mich belohne und die 100-prozentige Verantwortung für das übernehme, was passiert. Das ist der beste Zugang zu meinem Energiepotenzial, den ich habe. |

